Allgemeines

Der Gertrudenberg ist eine 97,3 m hohe Erhebung nördlich der Altstadt von Osnabrück, mit der schönsten Parkanlage der Stadt, Gebäuden der ehemaligen Provinzial Heil- und Pflegeanstalt, Resten der Klosteranlage, dem Altenheim am Bürgerpark, der AMEOS-Klinik und in seinem Untergrund zahlreiche unterirdische Höhlengänge.

Am "Tage nach den Aposteln Philipp und Jakob" [12. Mai] 1333 erwähnt der Vorsteher des Benediktinerinnenklosters St. Gertrud, Propst Wescelus, in einer Urkunde anlässlich eines Grundstückstauschs zwischen dem Dekan (=Dechant) der Osnabrücker Kirche und dem Gertrudenberger Kloster eine "foveae lapidum desolatae" (= verlassenen Steingrube) auf dem "Schilt" (auch: "Schild") neben dem Meierhof des Gertrudenberger Klosters. Dabei ging die verlassene Steingrube in den Besitz des Klosters über.

 

Im ehemaligen Gertrudenberger Klosterarchiv befand sich eine weitere Urkunde, dass 1492 auf dem Gertrudenberg eine Steingrube von dem Ziegelmeister auf dem Ziegelhofe Molting betrieben und nach ihm Moltings Steinkuhle genannt wurde.

 

1540 begann die Stadt Osnabrück zum Zweck ihrer Festungsbauten einen ausgedehnten Kalkofenbetrieb auf dem Gertrudenberg; für die Befeuerung der Kalköfen wurde die Piesberger Anthrazit-Steinkohle genutzt. In den Lohnabrechnungen von 1576 und 1578 wird erwähnt, dass ein "Luchtholl [= Luftloch] durch den Kalkberch" gehauen sei. 1582 wird ein "Einsturz" im Kalksteinbruch gemeldet. Von 1628 bis 1633 ist hier Kalksteinabbau im Zusammenhang mit dem Bau der einstigen Festung Petersburg im Südosten der Stadt Osnabrück erwähnt.

 

In einem Brief vom "Bürgermeister und Raht der Stadt Osnabrück an die Stiffts-Verwaltung" vom 25. April 1701 ist dazu nachzulesen: "Das Loch am Gertrauds Berge liegt außerhalb des Klosters in der Feldmark der Stadt, wo Kalksteine hergenommen wurden, von wo der dort gelegene Kalkofen, wie Mauerreste zeigen, beschickt wurde."

 

Der Justizkanzleidirektor und Rechtshistoriker Dr. Justus Friedrich August Lodtmann (1743 - 1808) erwähnte in der 1778 erschienenen "Acta Osnabrugensia, oder Beyträge zu den Rechten und Geschichten von Westfalen, insonderheit vom Hochstifte Osnabrück", die Höhle sei "in den Fels, aus welchem der ganze Hügel erbauet ist, mit unsäglicher Arbeit gehauen".

 

1858 berichtete der Osnabrücker Bürgermeister Johann Carl Bertram Stüve (1798 - 1872) in der Veröffentlichung "Topographische Bemerkungen über die Feldmark der Stadt Osnabrück und deren Entwicklung der Landschaftsverfassung" (Mittheilungen d. historischen Vereins zu Osnabrück, Heft 5) ebenfalls über Steinbrüche auf dem Gertrudenberg: "Jener Kamm von Muschelkalk ist vom Kloster nördlich durch offene Steinbrüche, behuf Gewinnung von Kalkstein, zerwühlt." Und weiter: "Von diesem Steinbruchsgrunde südlich gegen das Kloster hin aber erstreckt sich eine geräumige, aus vielen, theils verschütteten Gängen bestehende Höhle, deren Eingang bis 1803 sehr schön war; aber leider durch einen schlecht erwogenen Versuch der Klosterverwaltung, dort Steine zu brechen, zerstört wurde." Und Stüve fügt an: "Sie ist aber weiter nichts als die Fortsetzung des Baus auf Kalkstein, den man hier, durch die Lagerung veranlaßt, bergmännisch zu gewinnen vorzog. (...) Man hat den Kalk wohl theils auf der Ziegelei, dann aber auch am nördlichen Ende der Berges gebrannt, wo ungeheure Haufen Kalkasche lagern."

 

Nach J.C. Bertram Stüve soll die unterirdische Fortsetzung des nunmehr städtischen Steinbruchs 1540 erfolgt sein. So wurden in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts bei Aufräumarbeiten in der Höhle auch Steinbruchwerkzeuge mit dem Osnabrücker Rad gefunden.